“I´m not a gamer”
Wer auf Facebook Wimmelbilder für Highscores absucht, auf seinem Handy mit wütenden Vögeln auf Schweine schießt oder mit fremden Leuten um die Bürgermeisterschaft eines Restaurants wetteifert, ist ein Videospieler. Dieses Medium ist mittlerweile derart vielfältig, das fast alle Menschen Videospieler sind, ob es ihnen selbst bewusst ist oder nicht. Trotzdem ist der Begriff immer noch mit Vorurteilen behaftet, wird von manchen als eine Art Beleidigung angesehen, von der man sich distanzieren möchte. Dies wird nun ironischerweise Nintendo vorgeworfen, dem wohl bekanntesten Videospielhersteller der Welt.
Mit der Kampagne “Play As You Are” möchte Nintendo mithilfe von drei Spots (von denen zwei bisher erschienen sind) zeigen, wie verschiedenste Frauen und junge Mädchen mit ihrem 3DS ihre Interessen erforschen und ihre Individualität ausdrücken können, ob sie sich nun selbst als Videospieler sehen oder nicht. Die Idee ist großartig, der Zweck dahinter glasklar. Nintendo muss die Gehirnjogging/Nintendogs-Zielgruppe mit dem 3DS erneut für sich gewinnen. Sah sich jeder Gehirnjogger oder Nintendogshalter als traditioneller Videospieler? Wohl eher nicht. In Anbetracht dessen ist der Satz: “I´m not a gamer, but bla bla bla 3DS” vielleicht goldrichtig gewählt, um auch abseits von Mario und Zelda Kaufanreize zu schaffen. Manche Videospieler sehen sich allerdings beleidigt, da Nintendo den Begriff ihrer Meinung nach wie “Dreck” behandelt.
Dianna Agron, bekannte Schauspielerin aus “lasst uns so viele alte Songs wie möglich in eine TV-Serie packen und anschließend für Unmengen an Geld bei iTunes verkaufen” Glee. “I´m not a gamer. With my 3DS, I´m an artist.”
Selbe Kampagne, anderer Spot. Hier spielt uns Olympionikin Gabrielle Douglas New Super Mario Bros. 2 vor. “I´m not a gamer. With my 3DS I´m a coin collecting champion”.
Die Werbeaussage distanziert sich von dem Begriff “Videospieler” und wertet ihn damit ab, meinen die Kritiker. Die “coolen” Idole sehen sich selber nicht als Videospielerinnen, da diese den Vorurteilen nach ja “uncool” sind. Nüchtern betrachtet distanzieren sich die Werbefiguren tatsächlich eindeutig von dem Begriff und das mit Absicht. Die angesprochenen jungen Mädchen, die ihre Idole mit dem 3DS in der Hand sehen, würden sich womöglich selbst nicht als Videospielerinnen bezeichnen und können sich mit der Aussage identifizieren. Um sich wirklich beleidigt oder angegriffen von dieser Werbung zu fühlen, muss man mit dem Begriff Videospieler mehr verbinden, als er im Endeffekt bedeutet. Dieser hohe Grad an Protektionismus, diese pingelige Auslegung und Interpretation von Aussagen gegen diesen Begriff ist wohl ironischerweise den Vorurteilen geschuldet, die viele Videospieler erfahren und zu Gleichgesinnten, anderen Videospielern, führt. Manche Videospieler setzen den Begriff “Gamer” mit (dem Fantasie-Begriff) “Core Gamer” gleich, sehen sich als “Elite” dieses Mediums und fühlen sich beleidigt, wenn “Casual Gamer” diesen Ausdruck für sich beanspruchen. Wer sich von dieser Werbung beleidigt oder angegriffen fühlt, gehört eindeutig nicht zur Zielgruppe dieser Kampagne.
Dennoch kann ich die Kritiker zum Teil verstehen. Im Endeffekt ist der 3DS primär eine Videospielkonsole, die laut Nintendo vielen verschiedenen Leuten etwas zu bieten hat. Sei es nun das aktuelle Mario-Spiel oder eben auch ein Zeichenprogramm. Eine explizite Abgrenzung zum Begriff “Videospieler” ist aber nicht wirklich notwendig (und ergibt im NSMB2-Spot auch überhaupt keinen Sinn). Dass der 3DS für Videospiele gemacht ist, ist kein Nachteil, sondern der größte Vorteil des Gerätes. Nintendo hätte die drei einflussreichen Idole auch bewusst als Videospielerinnen bezeichnen, den Begriff für die Zielgruppe aufwerten und damit gerade den Leuten helfen können, die den 3DS zum Erfolg machen – den Videospielern. Man entschied sich hingegen für den einfacheren, sicherlich erfolgreicheren aber auch kritikwürdigeren Weg, für:
“I´m not a gamer”.





Zunächst ein Lob dafür, dass du auch kritische Worte für Nintendo übrig hast. Hatte mich eigentlich auf eine schonungslose Verteidigung gefasst gemacht.
Meine persönliche Meinung: Ich vermute hinter der “I’m not a gamer’-Kampagne eher eine eindeutige Richtung, in die Nintendo mit seinen Konsolen gehen will. Nämlich in die der Familien mitsamt kleinen Kindern.
Der Erfolg der Wii rührt ja v.a. daher, dass die Familien abgeholt wurden. Plötzlich konnten Mama & Papa ihren Kiddies eine Konsole ins Wohnzimmer stellen, die kinder- und familienfreundliche Spiele bot (Wii Sports etc.pp.).
Nun dürfte man sich bei Nintendo die Frage gestellt haben, ob, und wenn ja, wie, dieser Erfolg wiederholt werden kann. Mit den abgewanderten Fans sicherlich nicht, diese würden eher auf Xbox 720 und PS4 warten. Nein, die Familien müssen wieder abgeholt werden. Und dies gelingt eben mit TV-Stars und Jugendidolen, die klar zu verstehen geben: Ich zocke mit einem Nintendo Produkt, aber ein gamer bin ich nicht. Denn v.a. in den Köpfen der 40er und 50er sind diese noch die Nerds aus dem Keller, die ohne Freund/-in durchs Leben laufen. Und soetwas möchte man seinem eigenen Kind ja auf jeden Fall ersparen.
Nun, fühle ich mich durch den Werbespot beleidigt? Die Antwort lautet: Nein. Das v.a., weil ich mich weder durch Werbespots oder TV-Beiträge beleidigen lasse, schließlich dienen diese nur einem kapitalistischen Zweck. Wieso sollte ich mich davon also beleidigen lassen?
Vielmehr bin ich enttäuscht von Nintendo. Nachdem man ein Bayonetta 2 und Monster Hunter angekündigt hatte, hatte ich wieder Hoffnung; Hoffnung, dass Nintendo wieder weg von Familien geht und sich primär auf die Videospieler konzentriert. Denn dadurch würde ich in den Genuss von div. RPGs ala Xenoblade und Last Story kommen. Und das mit einer viel höheren Taktung als alle 2 Jahre.
Leider scheint sich Nintendo doch nicht auf seine alte Kundschaft zu konzentrieren. Das ist zwar verständlich, aber eben sehr schade. Ich für meinen Teil kann und werde solch einen Kurs sicherlich nicht mit meinem Geld unterstützen, indem auch ich mir eine WiiU ins Wohnzimmer stelle.
Yes, I’m a gamer. Aber ein gamer, der keine Lust mehr auf Wii Sports und Konsorten hat.
Danke.
Das hier ist eine Kampagne. Jede Kampagne hat ihre eigene Zielgruppe, hier sind es nun mal junge Mädchen und Teenager. Ich würde nicht zu viel hineininterpretieren und würde dir eigentlich in Bezug auf den gelegten Fokus auf die Familien ziemlich deutlich widersprechen. Bestes Beispiel ist eine parallel laufende Kampagne, die eindeutig für “uns” gemacht ist und auch nur “uns” erreicht. Die Rede ist von Nintendo Direct, was an sich auch nichts anderes als eine Werbekampagne ist, mit “uns” als Zielgruppe. Die Zielgruppe der “I´m not a gamer”-Kampagne wird Nintendo Direct nie zu Gesicht bekommen und könnte mit der recht trockenen Präsentation von Erscheinungsterminen und Neuankündigungen nichts anfangen. Wir hingegen schauen uns den Stream live an, twittern darüber und erhalten News aus erster Hand. Von Microsofts Seite aus gibt es so einen Service überhaupt nicht, während Sony eine regelmäßige Ausstrahlung ihres “PS Vita Game Heavens” anscheinend nicht hinbekommt.
Aber wie gesagt, ich würde nicht zu viel hineinterpretieren. Das ist gerade bei Werbung nicht immer ergiebig.
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