24/7/365

24/7/365

Today, all of our games include online applications and digital services that make them live 24/7/365. - EA Labels Boss Frank Gibeau

Egal wo du bist, ob Zuhause an der Konsole oder unterwegs mit Smartphone/Tablet, du kannst überall mit dem Spiel interagieren. Fünf Minuten bis der Bus kommt? Statt in Angry Birds einen Vogel abzuschießen oder in Lost Cities die nächste Karte zu legen, kannst du auch deine Statistiken in Battlefield überprüfen, in Need for Speed die Rennzeiten deiner Freunde herausfordern oder dein Team in FIFA aufstellen. Mittlerweile ähneln die meisten Titel eher einem Service, der mit Updates erweitert wird. DLCs, Online-Modi, Season und Online Passes, sowie Mobile Companion Apps für Smartphones und Tablets sollen uns länger an einen Titel binden. Manche Spiele überstehen die Veränderung unbeschadet, profitieren von dieser oder nutzen sie als Möglichkeit, neue Wege zu gehen. Mit Halo 4 wird 343 Industries nach Erscheinen eine Online-Koop-Kampagne im Sinne einer TV-Staffel in Folgen veröffentlichen. Dadurch wird der Titel auch viele Wochen nach dessen Release nicht aus unseren Köpfen verschwunden sein. Andere Spiele hingegen möchten kein Service sein, sind zudem nicht fähig oder werden auf Biegen und Brechen dazu gezwungen. 2K zwang die Entwickler von Spec Ops: The Line einen Multiplayer-Modus zu implementieren. Das macht sich gut auf der Verpackung und nur so lässt sich DLC für neue Maps oder Waffen veröffentlichen. Ob dieser Modus auch nur den Hauch einer Chance gegen den Branchenprimus Call of Duty hat, ist zweitrangig.

We are very proud of the way EA evolved with consumers. I have not green lit one game to be developed as a single player experience. - EA Labels Boss Frank Gibeau

“Einzelspielererfahrungen”. Schnell blitzen die Erinnerungen an “die alten Tage” auf, an denen wir stundenlang vorm Fernseher saßen und Final Fantasy, Morrowind oder Zelda spielten. Es waren recht simple Zeiten. Ohne Internet gab es keinen DLC (wie ich erhalte nicht das volle Spiel für mein Geld?), Free2Play wäre als Fiebertraum eines Wahnsinnigen abgestempelt worden und uns verfolgte nicht ständig das Gefühl, “nur” ein laufender Geldbeutel für viele Leute in dieser Industrie zu sein. Gibeaus Worte wirken wie ein Hammer, der diese Erinnerungen für immer zerstören möchte. Schnell wird aus einem einfachen Satz eine Bedrohung: “Spiele ohne Multiplayer? Tot. Gehören der Vergangenheit an. Machen zu wenig Geld. Werden definitiv aussterben. Vergiss die gute alte Zeit, diese ist für immer vorbei”. Dabei muss das “Aussterben” der reinen “Einzelspielererfahrung” nichts Schlechtes bedeuten. Titel wie Dark Souls und ZombiU, sowie Services wie das  Miiverse (ein ähnliches System wird es todsicher auch auf den anderen Konsolen geben) erweitern das Spiel mit sozialen Komponenten, ohne dem Singleplayer zu “schaden”. Videospieler reagierten trotzdem verärgert, woraufhin sich Gibeau zu einer Klarstellung genötigt sah.

I still passionately believe in single-player games and think we should build them. What I was trying to suggest with my comments was that we move our company from being a packaged goods, fire-and-forget business to a digital business that has a service component to it. - EA Labels Boss Frank Gibeau

Im Grunde ist es egal, von wem diese Worte stammen. Jeder Publisher teilt diesen Gedanken, diese Veränderung ist allgegenwärtig. Niemand ist hier besonders “gut” oder besonders “böse”. Wir könnten unsere rosarote Brille der Nostalgie anziehen, der Vergangenheit nachtrauern und die Gegenwart verteufeln. Dabei vergessen wir allerdings, wie viele Vorteile die Gegenwart mit sich bringt. Bugs werden mit Updates entfernt, unsere Lieblingsspiele erhalten auch nach Release neue Inhalte und selbst beim Warten auf den Bus können wir dank Smartphones in unser geliebtes Universum abtauchen. Mein 12-jähriges Ich wäre bei dem Gedanken vor Freude wahrscheinlich umgefallen. Besonders trotzige Spieler können ihren Konsolen das Internet verbieten, Spiele mit Season Pass aus Prinzip nicht kaufen und jegliche Apps oder Social Dienste ignorieren. Was anderes bleibt ihnen auch kaum übrig. Was hier als “24/7/365″ bezeichnet wird, ist kein einfacher Trend, der bald verfliegen wird. Es ist die Zukunft des Mediums. Spiele werden zu Services. Zu Videospielen 2.0

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