Sony kauft Gaikai

Sony kauft Gaikai

Es mag wie eine übliche Industrie-News erscheinen, dabei handelt es sich bei dieser Nachricht um so viel mehr. Sony wird mit diesem Schritt Videospiele für immer verändern.

Streaming-Dienste wie Gaikai und OnLive machen klassische Konsolen theoretisch obsolet und gelten als ihre größten Konkurrenten. Statt das Spiel im Wohnzimmer von teurer Hardware berechnen zu lassen, übernimmt ein Server diese Aufgabe und streamt das Ergebnis über das Internet auf den Fernseher, Monitor oder sogar Tablet. Vorteile für Spieler (Instant-Play, keine Downloads mehr, immer die beste Grafik) und für die Publisher (Kostenersparnisse bei Distribution, Ausschalten des Gebrauchtmarktes) gibt es viele, dafür aber auch einige Nachteile. Mit dem Kauf sichert sich Sony einen etablierten Dienst, der neben OnLive der bekannteste seiner Art ist. In den letzten Jahren konnte Sony nicht wirklich für gute Nachrichten sorgen. Der Hacker-Angriff ließ an den Sicherheitsvorkehrung des PSN zweifeln und die PS Vita kämpft weltweit mit schlechten Verkaufszahlen und wenig Unterstützung seitens der Drittentenwickler. Der Kauf von Gaikai sticht da als zukunftsorientierte Entscheidung positiv hervor. Stellt sich jetzt die Frage, was Sony mit dem Dienst vorhat und wie man es in das PlayStation-Ecosystem integrieren könnte.

PS3/PS4

Die Vermutung könnte nahe liegen, dass Sony die PS4 als Streaming-Konsole konzipiert, quasi Gaikai vom Konsolenhersteller selbst. Sony hat die Möglichkeit einer Online-only Konsole zu Beginn der PS4-Entwicklung tatsächlich in Erwägung gezogen und letztendlich aufgrund von schwacher Internet-Infrastruktur in vielen Ländern fallen gelassen. An dieser Entscheidung ändert auch der Kauf von Gaikai nichts. Streaming wird die klassischen optischen Medien nicht ersetzen, könnte der Konsole aber um eine neue Facette anreichern. Aus PlayStation Plus könnte eine Art digitales Gamefly (Lovefilm für Videospiele) werden. Man bezahlt pro Monat oder Jahr eine Gebühr und kann aus einer Bibliothek an Spielen Titel „ausleihen“, spielen und zurückgeben. Dieser Dienst würde neben dem klassischen Vertrieb existieren, womit der Handel nicht verärgert wäre.

PS Vita

Dem neusten Handheld Sonys fehlt es an Kaufargumenten und Anreizen für die Entwickler. Gaikai könnte dies über Nacht verändern. Jedes Spiel ist theoretisch über Gaikai auf der PS Vita spielbar. Von FIFA bis Uncharted über stünde die komplette Bibliothek an PS1/PS2/PS3-Spielen auf dem Handheld zur Verfügung, solange eine Verbindung zum Internet über WLAN oder 4G besteht. Hier könnte Sony eine „dumme“ Edition der PS Vita veröffentlichen, die nur für das Spielen über den Streaming-Dienst konzipiert wäre. Preislich weit unter der aktuellen PS Vita angesiedelt (Konkurrenz zum 3DS), ebenfalls mit einem Subscription-Service wie PlayStation Plus.

PC

Keiner kann den PC ignorieren. Free2Play und Social Games locken immer mehr Spieler zum totgesagten PC, warum nicht auch hier vertreten sein? Sony könnte das PSN erweitern und eine Art Steam für den PC anbieten. Hier wären die hauseigenen Marken wie Uncharted oder Infamous exklusiv im PSN PC spielbar, vielleicht auch mit Cloud-Saves und Cross-Plattform-Gaming zu den Konsolenversionen.

Mobile

Auch Tablets und Smartphones könnten mit einem Streaming-Dienst wie Gaikai zum Freund, statt zum Feind werden. Uncharted-Klone gibt es jetzt schon auf dem iOS, Interesse an solchen Spielen ist vorhanden. Zudem wäre auch eine Integration eines SmartGlass- oder Wii U-Konzeptes für Sony keine Unmöglichkeit mehr.

TV

Smart TVs sind im Kommen. Gaikai-Konkurrent OnLive kooperiert mit Google TV  und Apple wird sicherlich irgendwann Spiele für das Apple TV einführen. Hier könnte sich Sony für die Zukunft wappnen und PlayStation TVs anbieten. Sie würden die klassischen Konsolen nicht ersetzen, für Kunden mit dem passenden Kleingeld aber sicherlich ein Kaufgrund beim nächsten TV-Kauf liefern.

Die Möglichkeiten sind zahlreich, die Sony mit Gaikai offen stehen. Eine Art PlayStation PlusPlus könnte das ganze Ecosystem über mehrere Hardware-Kategorien ausbreiten und die Marke PlayStation etwas verwässern, dafür aber umso stärker machen. Microsoft und OnLive sollten sich so bald wie möglich an einen Tisch setzen. Microsoft, um mit Sony gleichzuziehen und OnLive, um nicht in die Relevanzlosigkeit abzudriften. Es handelt sich bei dieser Nachricht wirklich um so viel mehr, als man glauben könnte. Sonys klares Signal: Wir sind bereit für die Zukunft.

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