PS Vita – Make or break time
Knapp sieben Monate ist die PS Vita nun schon auf dem Markt. Der anfängliche Hype hat sich gelegt und die Hardware hat ihre erste E3 durchlebt. Woche um Woche scheint Sony mit enttäuschenden Verkaufszahlen kämpfen zu müssen. Teils muss sich der Handheld in Japan sogar dessem Vorgänger, der PSP, geschlagen geben. Von einer stabil wachsenden Hardwarebasis kann keine Rede sein. Hier ein paar Vorschläge, wie Sony das Ruder rumreißen könnte.
Update: Die aktuellen Verkaufszahlen sind schlicht besorgniserregend. Die PS Vita hat sich im Handheld-versessenen Japan knapp 800.000 Mal seit Launch verkauft. Zum Vergleich: Der 3DS verkaufte 800.000 Einheiten alleine in den letzten fünf Wochen. Nach einem halben Jahr konnte Nintendo knapp doppelt so viele 3DS-Konsolen wie Sony PS Vitas verkaufen, und das sogar vor der Preissenkung. Die Software-Verkäufe sind nicht beruhigender. Die zehn erfolgreichsten Titel verkauften sich zusammen knapp 800.000 Mal, was ungefähr ein gekauftes Spiel pro verkaufte Konsole bedeutet (wobei die digitalen Verkäufe nicht mit eingerechnet sind). Ungesünder könnte eine Hardwarebasis kaum sein. Sony muss nun dringend handeln.
Preis senken
Vor dem Launch war die Welt noch in Ordnung. Nintendo konnte den 3DS selbst bei einem überteuerten Preis von 250 Euro noch absetzen und Tablets (mit anderen Worten das iPad) gingen für 500 Euro über den Ladentisch. Ein leistungsfähiger Sony-Handheld, der einen wunderschönen OLED-Screen und zwei Sticks besitzt? Für gerade mal 250 Euro? Schnäppchen. Mittlerweile kostet der 3DS nur noch 160 Euro (die XL-Variante 200 Euro) und Tablets (Kindle Fire, Nexus 7, iPad Mini?) um die 200 Euro. Plötzlich fühlt sich die PS Vita zu teuer an, trotz der leistungsfähigen Hardware, dem wunderschönen Screen und den zwei Sticks. Die Vorteile einer Preissenkung liegen auf der Hand. Der Nachteil einer solchen in Sonys Buchführung. Selbst bei einem Preis von 250 Euro (wobei Amazon die PS Vita schon lange nicht mehr für diesen Preis absetzen kann) macht Sony mit jeder verkauften Einheit Verlust. An sich nichts Unübliches für einen Konsolenhersteller (bis auf Nintendo), aber gefährlich im dynamischen Handheld-Markt. Vor Release hieß es, man plane damit, in weniger als drei Jahren Profit mit dem Unterfangen PS Vita zu generieren. Erscheint das jetzt schon eher fragwürdig, dürfte eine Preissenkung dieses Ziel noch weiter in die Ferne rücken lassen. Trotzdem muss Sony handeln. Es muss kein Schnitt wie beim 3DS sein (die PS Vita soll immerhin in dieser Dekade noch profitabel werden). Die Ankündigung einer Preissenkung auf der gamescom wäre aber mehr als wünschenswert.
Monster Hunter
Sony muss ein Team von Mitarbeitern aufstellen, dessen einzige Aufgabe es ist, Monster Hunter in irgendeiner Form auf die PS Vita zu bringen. Monster Hunter hat die PSP in Japan zu einem riesigen Erfolg gemacht und der Plattform viele Jahre den Support der Dritthersteller gesichert. Monster Hunter 4 erscheint nächstes Frühjahr für den 3DS in Japan und wird der Hardware zu einem mächtigen Verkaufsschub verhelfen. Die PS Vita wird zu dieser Zeit wahrscheinlich in den Untiefen der Regale liegen bleiben, während in Bussen und Bahnen Leute Monster Hunter auf ihrem 3DS oder ihrer PSP spielen. Videospieler müssen Monster Hunter wieder mit Sonys Handheld in Verbindung bringen. Fürs Erste würde sogar ein “HD-Port” eines PSP-Teils helfen. Vielleicht erwartet uns eine entsprechende Ankündigung auf der TGS.
Neue Kaufargumente schaffen
Das Konzept der PS Vita stützt sich auf zwei Pfeiler. “Richtige” Videospiele für Unterwegs und Multimedia. Letzteres hatte nie die Chance sich durchzusetzen. Wir brauchen kein zweites Gerät, um damit unterwegs Musik zu hören, Video zu schauen oder im Internet zu surfen. All diese Aufgaben übernimmt unser Smartphone, das wir immer aufgeladen bei uns tragen. Sony muss neue Features für den Handheld finden. Sei es nun Cross-Plattform-Gaming, die PS Vita als Companion-Device zur PS3 (das Wii U-Konzept), “Transfarring” oder das Streaming von Spielen mittels Gaikai. Die starke Hardware der PS Vita eröffnet der Plattform Möglichkeiten, die dem schwachen 3DS für immer verwehrt sein werden. Perfekt, um sich von der Konkurrenz abzugrenzen und Mehrwert zu schaffen.
Abseits neuer Features gelten natürlich Spiele als beste Kaufargumente, aber auch hier gibt es Probleme, wie die E3 2012 verdeutlichte. Keine 20 Minuten für die aktuellste Plattform während der Pressekonferenz füllen zu können, ist eine deutliche Aussage (auch wenn Sony im Nachhinein etwas anderes behauptet). Noch fragwürdiger ist die Behandlung von Sound Shapes. Das interessante Musik-Jump´n´Run sollte eigentlich exklusiv für die PS Vita erscheinen, wird nun aber auch eine Umsetzung für die PS3 erhalten. Warum der Hardware Kaufargumente wegnehmen? 250 Euro wären damit wohl gespart.
Auf Assassin´s Creed und Call of Duty hoffen
Warum sollte ein Drittentwickler (exklusive) Spiele für die PS Vita veröffentlichen? Andere Plattformen sind weiter verbreitet, während die Entwicklungskosten (wahrscheinlich) niedriger sind. Die Plattform ist noch viel zu jung, um sie jetzt schon für immer abzuschreiben. Ein exklusives AAA-Spiel ist vielen Publishern dennoch zu riskant, besonders wenn ein einziger Flop das Ende eines Studio bedeuten könnte. Umso wichtiger sind die exklusiven Spiele AC3: Liberation und CoD: Declassified für die Zukunft der Hardware. Sollten sich zwei der stärksten Franchises der Industrie nicht erwartungsgemäß gut verkaufen, könnte dies das Aus für Drittentwickler-Support bedeuten. Fürs Erste zumindest.
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Ich mag die PS Vita. Die Hardware ist fantastisch, der Bildschirm atemberaubend und das Potenzial zweifellos vorhanden. Dass der Handheld gerade derart zu kämpfen hat, liegt nicht nur an Sony. Wir sind einfach an einem Punkt angelangt, an dem sich Spieler dank Smartphones und Tablets fragen: “Brauchen wir überhaupt noch Handhelds?” Meine Antwort darauf ist ein deutliches Ja! Mir reichen Smartphone und Tablet nicht. Aber selbst ich kann zum aktuellen Zeitpunkt kein Argument für den Kauf einer PS Vita finden. Das muss sich schnell ändern. Wichtiger als der Launch einer Hardware ist das erste Weihnachtsgeschäft. Sollte sich die Situation gegen März 2013 nicht signifikant verändert haben, können wir langsam aber sicher das Wörtchen Flop in den Mund nehmen. Ganz, wie ich es vor Monaten leider schon vermutete. Noch ist nicht alles verloren, aber jetzt kommt´s drauf an.









Sehr schön geschrieben und auf den Punkt gebracht.
Die Antwort auf das, was die PS Vita braucht ist eigentlicht ganz einfach: Spiele, Spiele und nochmals Spiele. Einfach nur mit Hardware protzen ist (heutzutage) nicht mehr drinnen.
Und wie du auch richtig gesagt hast, ist ein wesentliches Problem die Frage, warum Third-Party Devs für die Vita entwickeln, wenn sie nicht sehr verbreitet sind?
Ich denke mittlerweile, dass solche Probleme (mit dem 3DS wars ja eigentlich auch ähnlich) auf einen – meiner Meinung nach – verfrühten Release zurückzuführen sind. Was bringt mir ein neuer super-duper Handheld, wenn es am Release-Tag 5 Spiele dafür gibt – 4 Portierungen und ein Puzzle-Game?
[...] “Botschafterprogramm” des 3DS hinlegen konnte. Wie das funktionieren soll, kann ich nur vermuten. Leider scheint Sony bei dieser Fragestellung auch nicht viel weiter zu sein als ich. (Tabelle und [...]