OUYA – Konsole der Zukunft?
Die offene Android-Konsole hat ihr angepeiltes Ziel von einer knappen Million Dollar auf Kickstarter mit Leichtigkeit übertroffen. Grund dafür ist das professionelle Design, das ambitioniert wirkende Video und der Wunsch vieler Spieler nach genau solch einem Gerät. Völlig frei von den strikten Restriktionen der traditionellen Konsolenhersteller, könnte OUYA die Plattform für Kreativität, Mut und völlig neue Spielerfahrungen werden. Oder auch im Chaos versinken.
Help us make a dent in the gaming universe. Make OUYA the next game console… kickstarter.com/projects/ouya/…
— OUYA (@playouya) Juli 10, 2012
Hinter dem etwas merkwürdig klingenden Namen (OOO-yah ausgesprochen) stehen Julie Uhrman, ehemals Head of Digital Distribution bei IGN und Mitarbeiterin bei Vivendi Universal Games und Designer Yves Behar. Beide wollen den Konsolenmarkt mit ihrer Idee der günstigen, vollkommen offenen Plattform aufrütteln. Jeder Interessierte kann Spiele und Programme für die Konsole entwickeln, ohne den Zeitaufwand einer Bewerbung für eine entsprechende Lizenz, wie es bei den Konsolenherstellern Nintendo, Sony und Microsoft bei ihren Plattformen der Fall ist. Die Konsole selbst ist das Dev Kit. Das Hacken der Hardware wird nicht bestraft, es wird dazu angespornt.
OUYA macht auf dem Papier vieles richtig. Die Kosten für die Entwicklung und Veröffentlichung von Spielen werden möglichst niedrig gehalten. Die Konsole selbst kostet nur 99$ und steht damit in keinem Verhältnis zu den aktuellen (und wahrscheinlich zukünftigen) Konsolenpreisen. Free2Play wird nicht nur unterstützt, sondern ist Grundstein der Plattform (jeder Titel MUSS kostenlosen Inhalt zum Spielen beinhalten) und, das Wichtigste, der Controller ist traditionell genug, um die klassischen Spieler nicht abzuschrecken (in der Annahme, dass es sich um das finale Design des Controllers handelt). Endlich wären Entwickler völlig frei von den Fesseln der Konsolenhersteller und könnten ihrer Kreativität freien Lauf lassen. So sähe laut dem Team hinter OUYA die Zukunft der Konsolen aus, wären da nicht die potenziellen Gefahren.
So sehr man die Restriktionen der Konsolenhersteller auch kritisieren mag, sie haben ihren Zweck. Ihre Aufgabe ist es, einen gewissen Qualitätsstandard auf ihren Plattformen zu gewährleisten, was im Endeffekt den Spielern zugutekommt. Auf jedes Angry Birds, auf jedes Tiny Wings und auf jedes Canabalt kommen Tausende den Spielern qualitätstechnisch unzumutbare Titel, die der Plattform nur schaden. Auf iOS und Google play verhüllt dies die schiere Masse an Titeln, bei einer “Nischen-Plattform” wie OUYA wird das kaum der Fall sein. Natürlich (und hoffentlich) muss das der Entwicklung oder den Portierungen von guten Titeln keinen Abbruch tun.
Zu Beginn wird OUYA mit Portierung bestehender Android-Spiele überflutet werden. Auf Smartphones und Tablets eher deplatziert wirkende Titel wie Shooter werden sich um ein vielfaches besser am TV mit Controller spielen lassen. Aber sind solche Erfahrungen überhaupt nachgefragt? Dead Space auf dem iPad funktioniert, weil es Dead Space auf dem iPad ist. Auf einem Tablet sticht solch ein Spiel heraus. Es erinnert an die klassische Konsolen-Erfahrung, ohne diese ansatzweise erreichen zu können, was aufgrund der Limitationen der Hardware und Steuerung toleriert wird. Auf dem TV mit einem klassischen Controller bleibt von der interessanten Tablet-Erfahrung hingegen nur noch eine halbgare Konsolen-Erfahrung übrig.
Smartphones und Tablets rütteln aktuell die Videospieleindustrie (und ganz besonders den mobilen Sektor) auf, da sie für viele Menschen als Plattform für interaktive Unterhaltung “gut genug” sind. Kann derselbe Effekt auch hier eintreten? Wird es Menschen geben, die sich gegen PS3/Xbox 360/Wii U und für OUYA entscheiden werden? Im Gegensatz zu den boomenden Smartphones und Tablets könnte das hier eher schwer, bis unmöglich werden. Manchen Leuten sind Smartphones und Tablets “gut genug”, da sie AUCH Spiele darauf spielen können und es diese Form von Gerät in ihrem Alltag vorher gar nicht gab. Bei OUYA handelt es sich um einen Kasten, der per Kabel an den Fernseher angestöpselt wird – die klassische Definition einer Konsole. Beim direkten Vergleich mit den traditionellen Vertretern dieser Sparte wird die offene Android-Konsole (fast) immer den Kürzeren ziehen.
Eines hat OUYA den anderen Konsolen voraus: Das immense Potenzial für Kreativität. Praktisch als Smartphone/Tablet für den Fernseher konzipiert, könnte es, besonders nach den letzten, von AAA-Shootern dominierten, Jahren für den herbeigesehnten frischen Wind sorgen und eine von den großen Konsolenherstellern scheinbar vergessene Gruppe der Spielerschaft ansprechen. Indie-Entwickler könnten ihre Spiele ohne mühselige Bürokratie und Verschwendung von Ressourcen bei Lizenzvergaben auf den Fernseher bringen. Das Team hinter der offenen Konsole hat die potenziellen Interessenten genau im Blick – die Ankündigung von Minecraft und die potenzielle Unterstützung Mojangs schafft das so wichtige Vertrauen in die noch nicht existente Plattform. Weitere Spiele im Schlage eines Lone Survivor oder Legends of Grimrock, die es aufgrund verschiedener Gründe nicht auf die großen Konsolen schaffen, wären für eben diese “vergessene” Spielerschaft schon Grund genug für eine Anschaffung.
Ouya, an open console. Hm. This could be interesting… kickstarter.com/projects/ouya/…
— Tim Schafer (@TimOfLegend) Juli 10, 2012
Wird OUYA die traditionellen Konsolen verdrängen? Nein, das muss die Plattform aber auch gar nicht. Primär wird die Android-Konsole Indie-Interessierte und Core Gamer ansprechen, dafür spricht zum Beispiel auch die schon angekündigte Integration von TwitchTV. Mit OUYA könnte abermals eine weitere Plattform den Videospielmarkt betreten, mit ihren individuellen Vor- und Nachteilen. Wird solch ein offene (Zweit)Konsole nachgefragt? Definitiv, wenn es nach dem Mikrokosmos Kickstarter geht. Das Versprechen einer offenen Konsole mag auf Anklang stoßen, dieses letztendlich umzusetzen, eine gute Spielerfahrung zu liefern und Entwickler für sich zu gewinnen, ist eine ganz andere Geschichte. Eines ist jetzt schon sicher: Der bisherige Erfolg OUYAs ist der bisher lauteste Appell an Sony, Microsoft und Nintendo die harschen Restriktionen weiter zu lockern, Indie-Spiele wirklich ernst zu nehmen und den AAA-müden Spieler mit frischen Konzepten anzusprechen. Im Grunde genommen symbolisiert OUYA nämlich genau das; der verzweifelte Wunsch nach etwas Neuem.










Ein gewohnt ausgezeichneter Artikel zu einem Thema, das mich überaus tangiert.
Ich glaube gar nicht, dass sich OUYA GEGEN die Big Player MS, Sony und Nintendo durchsetzen muss. Sie ist die ideale Zweitkonsole, was auch der niedrige Systempreis unterstreicht.
Für mich ist der Kauf von OUYA fix, wenns bei den kolportierten 99,- US-Dollar bleibt und der Euro-Preis nicht deutlich nach oben ausschlägt. Da kann einfach nix schief gehen.
Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich mich zuerst für Xbox 720, PS 4 oder Wii U entscheide, aber eines ist fix: OUYA kommt mir ins Haus. Auf genau sowas warte ich schon lange.
Ich mag die Idee und Offene Systeme sind IMMER gut, vorausgesetzt sie sind keine Entschuldigung für eine schlechte Default Experience. UI, Controller, Kaufmöglichkeiten, das alles muss sitzen ohne dass man jede menge 3rd Party Hacks aufspielen muss.
Ich habe nur ein wenig Sorge was die Hardware und Software einer 99$ Android-Kiste angeht. 99$ für ein Stand-Alone Gerät sind nicht viel, aber wenn der Softwaresupport und die Hardware mit dem Fon in der Hosentasche identisch sind… ich würde es nicht kaufen, großer Bildschirm hin oder her. Ich befürchte, dass die Zielgruppe, die überhaupt von dem Gerät erfährt, eine ist die eh schon PC+Smartphone+Konsole+Konsole(+Tablet) im Heim hat und für die Minecraft kein Argument ist.
Vor einer Weile wurde ja mal eine Steam-Box gerüchtet, der würde ich, dank des massiven Softwarekataloges, mehr Chancen zuschreiben.
Andererseits, Apple TV mit der Möglichkeit iOS-Zeug direkt auf den Fernseher zu schicken, ist ein cooles Feature das im Androidland keine Entsprechung hat. Mit dem Controller dazu, wer weiß. (Schlechter als der PS3 Controller sieht er jedenfalls nicht aus, hehe.) Durch niedrigen Preis und gute Anbindung an Android-Smartphones/Ökosystem könnte man definitiv eine solide Marktdurchdringung erreichen. Ich finde es jedenfalls unfassbar cool, dass ein solches Projekt inzwischen möglich ist.
Dass der Preis fix bleibt, kann man ganz einfach erreichen, indem man jetzt schon über ein 119$-Pledge (99$+20$ Versand) ein Ouya vorbestellt. Das wären knapp unter 100€, plus eventueller Zollgeschichten.
Mich nervt ein wenig, dass das Video sich so stark um die Hardware dreht. Ich meine, eine Android-Kiste mit einem Wireless-Controller zu bauen, das ist doch nicht die Herausforderung. Die verbauten Teile hauen auch niemanden vom Hocker.
Was eine Menge guter Ideen braucht, ist die Software, die Ouya mit sich bringt und die ganze Infrastruktur, in die sich Ouya einbinden wird.
Es wird anscheinend so etwas wie das Ouya Live Network geben, mit Onlineidentitäten, Gamerscore und was man sonst so alles von der 7. Generation gewohnt ist.
Wie sieht es mit Nachrichtensystemen und Voicechats aus? Gibt es Community-Manager und Moderatoren?
Gibt es Bewertungen auf dem Dashboard?
Gibt es einen eigenen Store oder den Google Store?
Gibt es in einem eigenen Ouya Store Qualitätskontrolle, Promotions und Sales?
Kann ich mit anderen Android-Nutzern spielen?
Was hindert mich daran, die Ouya-Software einfach auf meinem Tablet zu installieren?
Wie sind Ouya-User von Haus aus geschützt? (Firewall, Virenscanner)
Fragen über Fragen, da sind wir nichtmal bei der Spieleauswahl.
Diese Fragen werden sicherlich noch gestellt und beantwortet, sobald sich der anfängliche Hype etwas gelegt hat. Aktuell gibt es nur die Idee und ein paar Bilder von der Hardware. Genug, um Leute zum Kauf anzuspornen.
Ich habe die Kiste mal auf Kickstarter gebacked, weil ich die Idee sehr sympathisch finde. Neben der Glotze stehen Xbox 360 und PS3 und die letzten Titel, die ich darauf richtig gut fand, waren FEZ, Flower, Journey, Ilomilo und dergleichen. Für PC/Mac gäbe es viele interessante Sachen, die ich gerne spielen würde, nur 1) ist ein MacBook Air dafür nicht geeignet und 2) will ich mir keinen PC dafür kaufen. Zu “Qualitätsstandards” bei den großen Jungs will ich noch anmerken, dass es sicher genausoviel Dreck auf Scheibe gibt, wie Downloads auf anderen Plattformen – nur teurer.
Klar, für jede erfolgreiche Plattform gibt es eine Unmenge an Müll. Ob das nun das iOS, der DS oder die Wii ist. Allerdings ist der Entwicklungs-Prozess bei den Konsolenherstellern “dank” ihren Restriktionen kostenaufwendiger und damit gerade für Anbieter von Müll unattraktiver.