Fez und der Patch

Fez und der Patch

UPDATE: Gestern hielt ich die Geschichte für ein Beispiel dafür, welche Steine Microsoft (und Konsolenhersteller generell) Entwicklern in den Weg wirft (werfen) und ihre Plattform(en) dadurch immer mehr an Attraktivität verlieren. Mittlerweile hat Microsoft gegenüber Giant Bomb Stellung zum Thema bezogen, stellt einiges klar und wirft viele Fragen auf Polytrons Geschäftsgebaren auf.

“Polytron and their investor, Trapdoor, made the decision not to work on an additional title update for FEZ. Microsoft Studios chose to support this decision based on the belief that Polytron/Trapdoor were in the best position to determine what the acceptable quality level is for their game.

While we do not disclose the cost of Title Updates, we did offer to work with Trapdoor to make sure that wasn’t a blocking issue.

We remain huge fans of Fez.”

Das mag nichts an der Tatsache ändern, dass Microsoft Geld für Patches verlangt (manche sprechen von 10.000 Dollar, andere von 40.000 Dollar), der Konsolenhersteller hat jedoch aktiv seine Hilfe angeboten, um dieses Problem aus der Welt zu schaffen. Microsoft liegt viel an Fez, soll es doch die Offenheit gegenüber Indie-Entwicklern verdeutlichen. Weiter berichtete Brunce Morrison, Entwickler von Marathon: Durandaldass Microsoft durchaus mit sich reden ließe. Er erhielt zwei Patches umsonst.

Langsam scheint Licht in einen Aspekt der Videospielentwicklung und -distribution geworfen zu werden, der in der Regel nicht viel Aufmerksamkeit erhält. Dem Patchen. Entwickler erhalten einen kostenlosen Patch, weitere Updates kosten (wobei Microsoft wie schon erwähnt mit sich reden lässt). Entwickler müssen das mittlerweile wissen, es ist immerhin ihr Job. Gerade das macht Polytrons Verhalten sehr fragwürdig. Der Vertrag mit Microsoft unterschrieb sich sicherlich nicht von alleine.

Öffentlich einen negativen Umstand anzuprangern, ist nichts Falsches. Öffentlich einen negativen Umstand anzuprangern, dabei aber gewisse Informationen außen vor zu lassen, zeugt von Schwäche und einem gewissen Grad an Unreife. Mittlerweile hat Polytron den Eintrag auf ihrer Seite gelöscht, was ein noch schlechteres Licht auf den Entwickler werfen lässt. Trotzdem, das hier beschriebene Problem besteht weiterhin. Xbox Live behandelt alle Entwickler gleich, ob Indie oder nicht. Mit der wachsenden Popularität der Indie-Spiele funktioniert dieses System nicht mehr. Die nächste Generation an Konsolen und Online-Systeme muss eine Lösung dafür finden. Da die Konsolenhersteller nicht auf den Kopf gefallen sind, werden sie das auch sicherlich bemerkt haben und daran arbeiten. (Phil Fisch würde ich allerdings raten, etwas gewissenhafter zu agieren. Öffentlich (irgend)einen Publisher/Konsolenhersteller anzuprangern, könnte weitreichende Konsequenzen für den Entwickler in der Zukunft haben.)

ORIGINAL: Indie Games sind gerade angesagt. Sie gelten als kreativ, erfrischend neu und einfach anders, als der in die Jahre gekommene AAA-Rest. Publisher und Konsolenhersteller bemühen sich gerade darum, auf den Trend aufzuspringen. EA unterstützt Indie Games auf Origin, Nintendo scheint hinter den Kulissen eine Indie-Offensive für die Wii U gestartet zu haben und Sony ist seit jeher schon bemüht, Indie-Perlen auf das PSN zu bringen (manchmal mit Erfolg und manchmal ohne). Auch Microsoft möchte hip sein. Während das Erwähnenswerteste an den Xbox Indies die Anzahl der Minecraft-Klone ist, gilt ein Spiel als Vorzeigeobjekt für Microsofts Ambitionen in dem Bereich: Fez.

Fez, der lang erwartete Plattformer-Puzzler von Polytron, dem Entwicklerstudio rund um Phil Fish, hatte seit Launch mit technischen Problemen zu kämpfen. Es erschien ein Patch, der fast alle, aber eben doch nicht alle Probleme löste. Ein Patch für den Patch war in Planung, dieser wird allerdings nie erscheinen, wie Phil Fisch nun erklärte. Grund dafür seien Microsofts Restriktionen. Damit der Patch des Patches online gehen kann, muss der Titel ein weiteres Mal zertifiziert werden. In Zahlen bedeutet dies „Zehntausende von Dollar“ (laut Tim Shafer sind es 40.000 Dollar), die Polytron aufbringen müsste. Das sieht der Entwickler nicht ein und Recht hat er.

Restriktionen und Qualitätskontrollen sind zweischneidige Schwerter. Auf der einen Seite bedeuten sie einen gewissen Grad an Sicherheit, dass Spiele wenigstens ein Mindestmaß an technischer Qualität erreichen (keine Abstürze etc.). Für Microsoft steht viel auf dem Spiel. Dürften Entwickler ohne Einmischung des Konsolenherstellers (= ohne horrende Gebühren) ihre Spiele verändern (auch Patchen) dürfen, könnte dies bei einem misslungenen Update drastische Konsequenzen für Microsoft haben. Das Vertrauen der Konsumenten darf nicht einfach so aufs Spiel gesetzt werden.

Auf der anderen Seite sind es Regeln wie die teure erneute Qualitätskontrolle von Fez, die Entwickler und interessante Spiele von einer Plattform verscheuchen und abschrecken. (Warum sollte Phil Fish nach solch einer Erfahrung jemals wieder ein Spiel auf der Xbox 360 veröffentlichen?) Microsoft, Nintendo und Sony müssen für ihr eigenes Wohlergehen begreifen, dass sie nicht mehr das Zentrum der Industrie sind. Mit PC und Mobile (Smartphones, Tablets) locken freundlichere, offenere und vielleicht auch profitablere Alternativen zum Geschäft auf den Konsolen. Entwickler brauchen die Konsolenehrsteller nicht mehr. Die Konsolenhersteller brauchen die Entwickler.

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Vielleicht stammt diese Regel noch aus der Planungsphase der Xbox 360, als der Markt noch kleiner und konzentrierter war als heute. Vielleicht wird es eine solche Restriktion nicht, oder nur in gelockerter Form, auf die nächste Generation schaffen (hoffentlich). Fez war ein(er der wenigen?) Sympathiepunkt(e) des Konsolenherstellers. „Indie auf der Xbox 360 funktioniert!“ Nun ist es das Negativ-Beispiel für Microsofts veraltetes Denken und könnte Indie-Entwickler einen weiten Bogen um die Xbox 360 machen lassen. Welch Ironie.

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