Nintendo vs. Internet
Update: Mittlerweile wurden die Aussagen Iwatas revidiert. Öffentliche Nachrichten werden erst nach der Beschwerde von Usern kontrolliert.
Auch wenn die E3-Pressekonferenz von Nintendo eigentlich das genaue Gegenteil von gut, vertrauenserweckend, zufriedenstellend, ausreichend war, so ließ mich wenigstens die neue Social Plattform Miiverse hoffen, dass der Konsolenhersteller das Kriegsbeil mit dem Internet endlich begraben hat. Reingefallen!, dachte sich Nintendo, als es laut auflachte und sich über meine Naivität amüsierte …
Wie auf der Nintendo Direct-PK zu sehen war, wird man dank Miiverse direkt in Spielen Nachrichten posten können. Eine tolle Idee, gleichzeitig aber auch eine Gefahr Spoiler zu erfahren oder Beleidigungen von anderen Spielern ausgesetzt zu werden. Was tun? Accounts von Spielern unter 18 diese Funktionalität des Miiverses blockieren? Beim Starten der Konsole über die Gefahren des Internets aufklären? Die Option anbieten, Nachrichten fremder Leute gar nicht erst anzuzeigen und nur die der Freunde zuzulassen? Nein, sagt sich Nintendo, viel zu pragmatisch. Stattdessen wird JEDE öffentlich sichtbare Nachricht mittels drei Mechanismen kontrolliert und aussortiert. Zuerst sucht eine Software nach vorher festgelegten Wörtern, die in keine Nachricht gehören. Danach wird tatsächlich ein Mitarbeiter (!) von Nintendo, der den ganzen Tag nichts anderes macht, als solche Nachrichten zu überprüfen, noch mal drüber gehen. Bis dann die Nachricht auch tatsächlich im Miiverse erscheint, können laut CEO Satoru Iwata ungefähr 30 Minuten vergehen. Zuletzt können andere User unpassende Nachrichten markieren, damit sie Nintendo löscht.
Schutzbedürftigkeit in allen Ehren, aber das ist schlicht und einfach nur bescheuert eine katastrophale Entscheidung. Nicht nur werden Ressourcen dafür verschwendet, der groß angepriesenen Plattform Miiverse wird damit jegliche Chance ihr Potenzial auszuschöpfen genommen. Nintendo muss einfach mal verstehen, dass sie das Internet nicht mit Gewalt kontrollieren können. Das kann niemand, Sony nicht, Microsoft nicht und auch Apple nicht. Ein soziales Netzwerk kann einfach nicht funktionieren, wenn das Posten öffentlicher Nachrichten länger als eine halbe Sekunde dauert. Mit solch einer Einschränkung wären selbst Facebook und Twitter irrelevant. Uns bleibt dann wohl nichts anderes übrig als auf eben diese Kanäle oder sogar Emails (immer noch schneller als 30 Minuten) auszuweichen, um die Miiverse-Features auch wirklich ausnutzen zu können.
Nintendo, lasst bitte den Quatsch. Bleibt bei eurer Entscheidung und ihr das Miiverse gar nicht erst launchen. Ihr habt die Plattform jetzt schon umgebracht.





Jeah. Nintendo.
Wenn sie das ernst nehmen würden, hätten sie das gleich mit Facebook oder Twitter-Anschluss umgesetzt.
Den größten Vorteil, gegenüber Home (gibts das noch?) oder XBox Live sehe ich vor allem im Touchpad, mit dem sich Messages 10000x schneller tippen lassen als mit der Bildschirmtastatur von PS3 und 360. Aber ob das reicht?
Facebook? Twitter? You must be crazy!
Klar, wäre definitiv besser, würde Nintendo aber auch irgendwie ein wenig abhängig von diesen Services machen. Gut vorstellen könnte ich mir aber eine Verbindung zu Facebook, sodass Nachrichten und Screenshots auch da gepostet werden. Aber … Nintendo halt, das wird wohl nix.
Den Vorteil des Touchscreens sehe ich auch, allerdings ist dieser mit der Smartphone-App der Xbox 360 ja auch gleich wieder weg (wenn sie denn jemand besnutzen sollte).
Naja, es handelt sich hier ja nicht um “das Internet”, sondern “das Internet auf der Wii U von Nintendo”. Es ist ihr hauseigener, geschlossener Spielplatz und den können (und werden) sie reglementieren und kontrollieren wie sie wollen.
Ich hatte mich während der Präsentation beispielsweise gewundert, wann den nun endlich irgendwo ein Headset zu sehen ist. Für mich als Xbox 360-Spieler gehört das einfach zum Standard in Sachen Online-Gaming. Nun…es gibt offensichtlich keines. Aus Sicht von Nintendo ist das so logisch wie es nur geht: Es gibt deswegen keines, weil sich Sprache noch schlechter kontrollieren lässt als eine Textnachricht. Wii Speak und das Headset für Monster Hunter Wii funktionieren deshalb auch nur mit ausgewählten Spielen.
Das mag aus “unserer” Sicht steinzeitlich sein, ja. Kein Widerspruch. Auf der anderen Seite fördert es aber auch – in einer sehr verdrehten Weise – den Familiengedanken von Nintendo. Bevor ein Kind ewig auf eine Antwort aus dem Miiverse wartet, fragt es wohl eher einen Erwachsenen um Hilfe und Rat.
Core-Gamer schreckt das alles ab, keine Frage. Aber vielleicht haben Kinder eine andere Erwartungshaltung an so etwas. Denk nur einmal an Animal Crossing. Dass da Briefe von den Bewohnern ankamen, war und ist etwas besonderes.
Miiverse ist als eine heile Welt angelegt. Miiverse ist ein Animal Crossing mit echten Menschen.
Mag sein, dass Nintendo ein “eigenes” Internet auf der Wii U haben möchte, wenn es aber schlechter als das “eigene” Internet der Xbox 360/PS3 ist, hat Nintendo bei den Core-Gamern schon verloren, keine Frage.
Klar haben die Casual-Gamer andere Ansprüche an die Internet-Funktionalitäten als wir, aber auch diese Spieler kennen und nutzen Facebook und Twitter. Ziel des Miiverses ist es, Spieler von diesen anderen Social-Kanälen abzuhalten und im eigenen Ecosystem zu halten. Wie soll das gelingen, wenn Nintendo solche Einschränkungen vorgibt, die die Konkurrenz nicht hat?
Zudem würde ich das Internet nicht vom Internet der Wii U abgrenzen. Nintendo möchte ein Social Network etablieren? Dann muss es sich nun mal mit dem “offenen” Internet messen.
Auf der PK wurde kein Wort zu Friendcodes verloren, warum dann zu Headsets? Jedes Wii U GamePad besitzt ein integriertes Mikrophon und von den Drittherstellern kommt sicherlich ein Headset – selbst der 3DS hat eins. Wenn man Kopfhörer an das GamePad anschließt, nutzt man ja eigentlich schon ein Headset.
Wii Speak erschien mitten im Leben der Wii, ich würde daher keine Schlüsse für die Wii U daraus ziehen.
Die Wii U ist nicht nur für Kinder. Dieses Bild hat sich dank der Wii in unsere Köpfe eingenistet, aber Nintendo kann diesen Weg nicht noch mal einschlagen.
Ich verstehe ja Nintendos Hintergedanken, es ist ein guter und ehrenhafter. Ein “sicheres” Internet (das Internet ist nie sicher, auch mit solchen Restriktionen nicht) wäre ein gutes Kaufargument für Eltern, die andere Schwerpunkte setzen als wir. Vielleicht interessiert es Nintendo auch überhaupt nicht, was wir von diesen Restriktionen halten, da wir ohnehin die Alternativen des Internets kennen.
Am Ende bleibt aber immer noch eine falsche Herangehensweise an die Problematik, die der Wii U nur schaden kann.
Dem Abschlusssatz kann ich mich nur anschließen.