E3 2012 – Trends

E3 2012 – Trends

Die E3 ist immer ein Indikator für aktuelle und zukünftige Trends der Gaming Branche. Was war 2012 besonders angesagt und in welche Richtung bewegt sich das Medium?

Spiele 2.0

Ein aktueller Trend sorgte schon 2011 in der ein oder anderen Form für Schlagzeilen und stellt die klassische Definition von Videospielen auf den Kopf. Früher waren Videospiele kleine, in sich abgeschlossene Universen. Man setzte sich an das SNES, spielte Super Mario Worlds  bis man keine Lust mehr hatte und hörte auf. Ab dem Zeitpunkt des Ausschaltens war die unmittelbare Spielerfahrung vorbei. Vielleicht redete man mit den Freunden über den schweren letzten Level mit Bowser, eine direkte Interaktion mit dem Spiel war indes jedoch nicht möglich. Die kleinen in sich geschlossenen Universen werden nun aufgebrochen. Das Spiel “existiert” auch außerhalb des Spiels, sprich: Interaktion in verschiedener Form ist auch fernab der Konsole möglich.

Das erfolgreichste Beispiel für diese Art von Spielen ist das Action-Adventure Skylanders. Reale, im Handel gekaufte Figuren haben Auswirkungen auf das Gameplay. Kinder können ohne Konsole mit den Figuren Spaß haben, während viele ältere Spieler der Sammeltrieb reizt. Bisher wurden über 20 Millionen Spielzeuge aus der Skylanders-Reihe verkauft, das Sequel Skylanders Giants ist in Arbeit und dürfte ebenfalls hohe Gewinne aus einer durchaus in der Videospielkultur präsenten, aber eher untergeordneten Sparte generieren, dem Merchandise.

Nintendo wagte sich mit Kid Icarus: Uprising (in Japan werden passende AR-Cards mit Schokolade und Magazinen verkauft) für den 3DS an das Konzept und baute es als NFC-Funktionalität prominent in die Wii U ein. Gerade Nintendo hat dank Marken wie Pokémon ein traditionell starkes Merchandise-Geschäft, das mit der Wii U noch stärker werden könnte. Passende Franchises wären (neben Pokémon) Fire Emblem (Karten schalten neue Kämpfer frei) oder Nintendogs (Stoffhündchen schalten neue Rassen frei). Besonders geeignet wäre Animal Crossing. Nintendo könnte Puppenhaus-artige Möbel verkaufen, die durch NFC eingescannt, im Spiel freigeschaltet werden. Publisher wie Ubisoft, EA und Activision werden ebenfalls NFC nutzen, was für Nintendo Einnahmen aus Lizenzgebühren bedeutet. Anbieten würden sich auch Partnerschaften mit Sammelkartenspielherstellern (Magic: The GatheringYu-Gi-Oh!).

Dieser Trend beschränkt sich nicht nur auf Merchandise. “Das Spiel ist, wo du bist”, lautet die Devise der stets populär werdenden Social Plattformen einzelner Marken. Call of Duty: Elite, Battlelog und das Ghost Recon Network erlauben Spieler im Browser oder in der App Statistiken nachzusehen, das Inventar zu managen oder die Aktivitäten der Freunde zu verfolgen. Der Hintergedanke ist simpel: “Mit jeder Sekunde, die ein Spieler in unseren Titel oder den entsprechenden Service investiert, erreichen wir a) dass die Konkurrenz diese Sekunde nicht für sich verbuchen kann b) werden DLC-Käufe dieses Spielers immer wahrscheinlicher und c) festigt er seine Beziehung zum Spiel und könnte demnach auch den Nachfolger kaufen.”

Abseits der Shooter folgt Need for Speed: Most Wanted dem Trend mit einer Schnittstelle zum angekündigten iOS-Spiel. Konsolen-Spieler und iOS-Spieler werden unter derselben Highscore-Liste im Spiel geführt. Besitzt ein Spieler beide Versionen (Konsole und iOS) von Need for Speed, könnte er einen Rekord auf seinem iPad aufstellen, der dank Autolog automatisch auf seine Konsolen-Version synchronisiert wird.

Asymmetrisches Gameplay

Das Buzzword der E3 2012 war “Asymmetrisches Gameplay”. Zwei Leute spielen gemeinsam das selbe Spiel, erleben aber unterschiedliches Gameplay. Am Häufigsten kam das Wort aus dem Mund Nintendos. Es ist scheinbar der einfachste Weg, das (komplizierte) Konzept der Wii U zu erklären. Nintendo Land, das Wii Sports der neuen Konsole, soll dem Spieler “Asymmetrisches Gameplay” näher bringen und in wenigen Sekunden erklären, was diese Wortschöpfung genau bedeutet. Auch Ubisoft zeigte mit Rayman Legends und ZombiU diese neue Herangehensweise an das Gamedesign. Mit der Kombination aus PS3 und PS Vita könnte Sony ähnliches Gameplay anbieten und auch Microsoft wäre die Idee mittels SmartGlass nicht gänzlich verwehrt.

Dass man das Wort auch ohne Bezug zu Hardware benutzen kann, zeigt das neue Star Trek-Spiel. Spock und Kirk können die komplette Kampagne über von zwei Spielern im “asymmetrischen Koop-Modus” gespielt werden. Unterschiedliche Fähigkeiten und Charaktereigenschaften teilen die Story in zwei unterschiedliche Kampagnen auf, die aber synchron gespielt werden.

Der Fall von 3D und Motion-Steuerung

Sony und Nintendo sprachen auf den letzten beiden E3-Messen scheinbar über nichts anderes als 3D. Sony wollte die eigenen Fernseher verkaufen, Nintendo den neuen 3DS anpreisen. Beide Vorgehen sind gescheitert. Sonys Fernseher verkaufen sich nicht gut und Nintendo ruderte seit den schlechten Verkaufszahlen des 3DS vor dessen Preissenkung massiv zurück. Microsoft hat die Technologie nie aktiv verfolgt. 3D ist (als wichtiges Alleinstellungsmerkmal) tot.

Microsoft konnte viele Core-Gamer nicht mit der E3-Pressekonferenz 2011 überzeugen. Zu viel Zeit wurde ihrer Meinung nach für Kinect und den entsprechenden Casual-Games verwendet. Ein Jahr später verschwand die Kamera beinah völlig aus dem Programm und Kinder waren auf der Bühne gar nicht zu finden. Das letzte Jahr hat gezeigt, dass Kinect nicht halten kann, was Microsoft bei dessen Ankündigung versprach. Kinect war in dessen E3 2011-Form auf der Pressekonferenz beinahe nicht vertreten. Einzig  Wreckateer und das “Nicht-Spiel” Nike+ Kinect erhielten Zeit auf der Pressekonferenz. Man konzentrierte sich auf das eher unscheinbare Feature der Sprachsteuerung.

Eindeutiger trug Sony den Move-Controller zu Grabe. Die bisherige Heransgehensweise “Move in bekannte Marken wie Killzone und Resistance integrieren” geht nicht mehr auf, die Marken sind alle aufgebraucht. Nun werden noch die letzten Interessenten mit den üblichen Minispiel- und Sportspiel-Sammlungen zum Weihnachtsgeschäft bedient. Die größte Ankündigung war der “In Motion”-DLC für Portal 2.

Free2Play

Noch sträuben sich Teile der Industrie davor es sich einzugestehen, aber Free2Play und Social Games kommen – und das in großen Schritten. David Jaffe, ehemals Designer bei Sony (God of War, Twisted Metal), verließ den Konsolenhersteller, um sich auf ein neues Projekt zu konzentrieren. Mit seinem Free2Play Third-Person-Shooter möchte er die Vorurteile der Core-Gamer gegenüber dem Distributions-Modell beseitigen. Crysis-Entwickler Crytek kündigte an, nach Fertigstellung der aktuellen Projekte komplett auf Free2Play umzusatteln. Spiele wie Hawken und Planetside 2 beweisen, dass Free2Play-Titel den klassischen AAA-Spielen in nichts nachstehen müssen. Dank diesen Spielen und den mittlerweile technisch weit unterlegenen Konsolen, rückte der PC für viele Spieler wieder in den Fokus der Aufmerksamkeit. Auch wenn manche Free2Play mit Scheuklappen ignorieren, hinter den Kulissen der Industrie brodelt es gewaltig.

Der letzte Atemzug

Über alle Plattformen und Genres hinweg war eines deutlich zu spüren: Die nächste Generation der Konsolen steht bevor. Im scheinbar letzten Atemzug rangen sich viele der Publisher zu einem weiteren Teil der mittlerweile in die Jahre gekommenen Serien ab. Splinter Cell, Gears of War, God of War und Call of Duty werden erstklassige Spiele werden, Abnutzungserscheinungen lassen sich jedoch nicht abstreiten. In dieser Endphase des langen Konsolenzyklus scheinen viele der Entwickler an ihre kreativen und technischen Grenzen zu stoßen. Das Ergebnis ist ein Einheitsbrei aus Spielen, dessen einzelne Vertreter kaum noch voneinander zu unterscheiden sind. Alles wirkt brutaler (besonders das “Messer-in-den-Hals-rammen” scheint es den Entwicklern angetan zu haben) und leicht durchschaubar. Kreative Kraftakte waren selten und grenzten sich in Form von Titeln wie Watch_Dogs, Beyond: Two Souls, Assassin´s Creed 3 und The Last of Us ab. Diese wenigen Titel schaffen etwas, was der Industrie (und der E3) kaum noch gelingt: Sie überraschen.

 

Trends tauchen auf, verschwinden wieder oder setzen sich durch. Was von der E3 2012 in einigen Jahren auch übrig bleiben wird, der Industrie stehen mit Social Games, Free2Play, Tablets und Smartphones  tiefgreifende (und für manche Spieler unliebsame) Veränderung bevor.

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