Wir alle haben das Gefühl, egal wie ahnungslos wir auch sein mögen, wir hätten uns intelligenter als Nintendo angestellt.
Besser kann ich das Frustrierende an Nintendo im Jahr 2011 nicht beschreiben. Mit welcher Naivität der Konsolenhersteller durch das wohl holprigste Jahr der jüngeren Firmengeschichte gestolpert ist, könnte glatt komisch sein, wenn es nicht so dramatisch wäre.
Das größte Problem Nintendos in 2011 ist schlicht und einfach Nintendo selbst. Arroganz gemischt mit Sturheit stieß das Unternehmen von seinem goldenen Thron aus Wii- und DS-Zeiten. Nintendo schrieb rote Zahlen, verkündete Verluste und musste mit ansehen, wie der Aktienkurs einbrach. Die Glanzzeiten der Wii sind vorbei, was Nintendo fast das komplette Jahr einfach hinnahm und die Konsole kaum mit Spielen bediente. Ebenfalls kaum Spiele gab es für die 3DS-Besitzer. (Die Launch-Fehler habe ich schon in einem früheren Artikel behandelt.)
Neben der katastrophalen (weil Verwirrung stiftenden) E3-Präsentation der Wii U, dem miserablen (weil viel zu frühen und überstürzten) 3DS-Launch und dem unzureichenden (weil ein, zwei Spiele nicht ausreichen) Line-up der Wii (und diese Beleidigung für die Augen namens 3DS Circle Pad Pro), gab es aber auch gute Dinge zu vermelden. Die 3DS-Preissenkung, Nintendo Direct, kostenpflichtiger DLC, Miyamotos neues Spiel und die angekündigte Revision der Wii U beweisen, dass Nintendo endlich die Zeichen der Zeit erkannt zu haben scheint und handelt. Das Fundament für einen gelungenen Neustart ist gelegt, jetzt muss konsequent erneuert und verbessert werden.
2011 setzte Nintendo alles auf das Weihnachtsgeschäft. Super Mario 3D Land, Mario Kart 7, Monster Hunter 3G (in Japan) und Zelda: Skyward Sword waren die letzten Asse im Ärmel, die Nintendo noch retten sollten. Den ersten Zahlen des Weihnachtsgeschäfts nach ist ihnen dies auch gelungen. Der 3DS bricht in Japan Rekorde und hat sich jeweils in Japan und den USA mittlerweile über 4 Mio. Mal verkauft. Super Mario 3D Land und Mario Kart 7 sind beides die ersten 3DS-Millionenseller in den USA. Höchstwahrscheinlich hat Nintendo auch dieses Weihnachtsgeschäft für sich entschieden. Die alte Weisheit „Software sells Hardware“ hat immer noch Bestand.
Fazit
Turbulenter hätte das Jahr kaum verlaufen können. Mit dem schwächelnden 3DS, der zeitlich etwas unpassenden Wii U (wann erscheinen die nächste Xbox und PlayStation?), dem schlechten Aktienkurs und der scheinbar übermächtigen iOS-Konkurrenz ist der Industrie eines klar geworden: Nintendo hat seine „Magie“ verloren. Die glorreiche Vergangenheit liegt weit zurück, die Zukunft sieht ungewiss und düster aus. Eines ist sicher, 2011 war ein Schicksalsjahr. Zukünftig gilt 2011 entweder als das Jahr, indem Nintendo den Grundstein für eine erfolgreiche Zukunft legte, oder seine letzte Chance auf das Überleben verspielte.
2012
Dank des fulminanten Weihnachtsgeschäftes hat sich der 3DS eine gute installierte Hardwarebasis aufgebaut. Genug Anreiz für viele Entwickler, um Spiele für die Plattform zu produzieren und für einen kontinuierlichen Dritthersteller-Support zu sorgen. Das Circle Pad Pro (der zweite Analog-Stick für den 3DS) wird kaum, bis gar nicht im Mainstream ankommen. Es wird entweder für ewig ein hässlicher Hardware-Zusatz für eine kleine Gruppe an Core-Spielern sein, oder mit einer neuen 3DS-Revision, inklusive zweitem Stick (mein Tipp: Weihnachtsgeschäft 2012) in die Bedeutungslosigkeit abrutschen. Die größte 3DS-Baustelle sind aber die Casual-Spieler. Nintendo muss sie mit komplett neuen, noch nie da gewesenen Konzepten überzeugen (das “Gehirnjogging-Phänomen”). Diese „neuen Genres“ wie Iwata sie nennt, sollen 2012 erscheinen.
Sind die größten Probleme des 3DS damit überstanden, muss beim Thema Wii U noch einiges geschehen, um nicht völlig auf die Nase zu fallen. Nintendo hat schon angekündigt, dass die neue Konsole auf der E3 2012 quasi ein zweites Mal enthüllt werden soll. Mit anderen Worten: Hinter den Kulissen wird weiter am Konzept gearbeitet. Und das muss es auch.
- Multi-Touch. Dank Smartphones und Tablets der heutige Standard in dieser Kategorie, alles andere ist veraltet.
- Achievements. Auch wenn Nintendo gegen das Konzept von Achievements ist (ich stimme ihnen da durchaus zu) gehört dieses unscheinbare Feature für den Großteil der Spielerschaft dazu. Ob Nintendo das nun gefällt oder nicht.
- Online. Zwar wurde Nintendo über die Jahre zahlreiche Male von seinen Konkurrenten kopiert, bei diesem Punkt muss es aber anders rum geschehen. Das Online-System der Wii U darf unter keinen Umständen schlechter sein als Xbox Live oder PSN. Es wurde schon bestätigt, dass Nintendo ein relativ “offenes” Online-System bieten möchte und den Publishern mehr Spielraum als die anderen Konsolenhersteller einräumen wird. Klingt löblich. Wenn dies aber bedeutet, dass man sich auf der Wii U für EA-Spiele zusätzlich einen EA Origins-Account anlegen muss, sehe ich schwarz.
- Keine Friendcodes. Eine Erklärung hierfür ist nicht notwendig.
- Dritthersteller-Support. Zwar besitzt Nintendo immer noch die stärksten Exklusiv-Marken der Industrie, der Support der Dritthersteller ist aber wichtiger denn je. Nintendo kann nicht das komplette Jahr über ein konstantes Line-up im Alleingang sorgen. Ein weiteres Mal muss uns das der Konsolenhersteller nicht beweisen, wir erinnern uns alle noch lebhaft an die Wii, den 3DS …
- Aktive Unterstützung der Dritthersteller. Nintendo entwickelte seine Konsole in erster Linie für Nintendo. Die restlichen Entwickler sollten mal selber sehen, wie sie zurechtkamen. Diese Einstellung ist nicht mehr tragfähig. (Siehe auch vorherigen Punkt.) Von Anfang an müssen Drittentwickler die Features der Wii U verstehen und sinnvoll in ihre Spiele einbauen.
- Werbung. Was genau bringt die Wii U eigentlich und wofür brauch ich die? Nicht mal Core-Spieler können diese Frage beantworten, wie sieht´s dann erst für die wichtige Casual-Zielgruppe aus? Seit der E3 Präsentation ist es still um die Konsole geworden. Im Grunde genommen wissen wir bis auf den Tablet-Controller noch nichts. Nintendo muss sicherstellen, dass wirklich jeder Spieler, ob Core oder Casual, das Konzept hinter der Wii U zwischen der E3 2012 und dem Launch im Weihnachtsgeschäft 2012 (mein Tipp) begreift. Mit anderen Worten: Werbung, Werbung, Werbung.
Nintendo geht einen sehr unbekannten Weg mit der neuen Konsole, der vielleicht noch riskanter ist, als der Wii-Launch in 2006. Damals wurde wie heute vom „Tod Nintendos“ gesprochen. Die Geschichte des Wii-Phänomens kennen wir ja, aber lässt es sich wiederholen? In diesem Markt? Zu dieser Zeit?






“Keine Friendcodes. Eine Erklärung hierfür ist nicht notwendig.” Doch. Ich weiß nicht, was du damit meinst. Vermutlich, weil es irgendwas mit Nintendos Online-Zeugs zu tun hat, das ich noch nie genutzt habe?!
1. Dein Kommentar ist der Beweis, dass hierfür keine Erklärung notwendig ist.
2. http://www.youtube.com/watch?v=F1W0cBa53KQ
Oha. Ich hab seit 2007 eine Wii, aber das habe ich noch nie gemacht. Ich war überhaupt noch nie mit dem Ding online.
Du hast noch nicht gelebt, wenn du im Meinungskanal nicht über dein Lieblingshaustier (Hund oder Katze) abgestimmt hast!!!!