Auch 2011 begann mit dem allseits beliebten Satz: „Dieses Jahr (2011) wird das Jahr der PS3!“ Und auch dieses Mal muss man auf diesen Satz rückblickend mit einem: „Nö“ antworten. 2011 verdeutlichte wieder die zwei größten Schwächen Sonys, die dem Konzern auch aktuell starke Kopfschmerzen bereiten:
- Sony besitzt (bis auf wenige Ausnahmen) keine mächtigen Marken.
- Sony schätzt den Peripherie- und Handheld-Markt falsch ein.
Little Big Planet 2 erschien im Januar und konnte wieder Spitzenwertungen einfahren. Ja, richtig gelesen. Little Big Planet 2 ist 2011 erschienen, bloß kann sich niemand mehr daran erinnern. Schien der Vorgänger bei seinem Release 2008 noch ein mächtiges, Identitätsverleihendes Franchise zu werden, ist der Nachfolger schlicht und einfach von der Oberfläche verschwunden. LBP sollte der PS3 endlich zu etwas „eigenem“ verhelfen, vom Schlage eines Marios für Nintendo oder eines Halos für Microsoft. Play, Create, Share schien den Zeitgeist zu treffen. Ein wahrer Segen für Sony. Ca. 2.3 Mio. verkaufte Einheiten (LBP2) später, muss sich der Konsolenhersteller eingestehen, dass LBP diese Macht einfach nicht besitzt. Vielleicht ist es der viel zu komplizierte Level-Creator, vielleicht die unpräzise Steuerung, vielleicht aber auch das plötzliche Auftauchen Minecrafts im Mainstream (das den Sandkasten-Gedanken auf eine neue Stufe hebt), das erhoffte Phänomen ist es nicht geworden. LBP ist untergegangen.
Killzone 3, Resistance 3 , inFamous 2, SOCOM: Special Forces und Uncharted 3 bilden auf dem Papier ein eindrucksvolles Line-up an Exklusivtiteln. Aber auch hier zeigt sich Sonys Schwäche. Bis auf Uncharted sind alle diese Marken nicht stark genug. Gears of War 3 ist mit ca. 5,16 Mio. verkaufter Einheiten erfolgreicher, als alle – mit Ausnahme von Uncharted 3 – eben aufgezählten Spiele zusammen! Ebenfalls nicht optimal: Die großen Dritthersteller-Spiele (Assassin´s Creed: Revelations, Skyrim, Battlefield 3 und CoD: Modern Warfare 3) verkaufen sich alle durchweg besser auf der Xbox 360.
Die zweite große Schwäche Sonys wird mit dem PS Move-Controller deutlich (ja, den gibt es immer noch). Die Strategie: „PS Move in ein fertiges Spiel packen“, funktioniert nur bis zu einem gewissen Punkt. Sicherlich gibt es einige Spieler, die Killzone und SOCOM mit Bewegunssteuerung spielen wollen, das reicht aber nicht aus. Neue, frische PS Move-Marken müssen her, die um den Controller herum entwickelt werden (wie z.B. Sorcery). Das ist riskant, kostet Geld und kann in einem Flop enden, aber nur so wird einer Zusatz-Hardware Relevanz verliehen.
Mit mehr Glück als Verstand schaffte es Sony durch den PSN-Ausfall. Der Konsolenhersteller hätte offener mit dem Diebstahl umgehen müssen. Ein paar verschenkte Spiele, eine wehmütige Entschuldigung auf der E3 und viel Zeit später, ist der PSN-Ausfall Geschichte. Die naive Sorglosigkeit Das Vertrauen der Kunden ist wieder hergestellt.
Im Laufe des Jahres überrasche Sony immer wieder mit guten Nachrichten zur PS Vita. Kein Region-Lock, viele Spiele zum Launch (darunter auch Uncharted), ein zeitnaher Europa-Release und ein sehr günstiger Preis (vor der 3DS-Preissenkung, mittlerweile ist der Preis doch nicht mehr so günstig) signalisierten: Sony hat aus den PSP-Fehlern gelernt. Ende 2011 erschien der neue Handheld in Japan, verkaufte sich am Start-Wochenende gut und brach danach ein. Von 324.000 Einheiten auf 42.648 Einheiten. Um von einem Flop oder einer Totgeburt zu reden, ist es viel zu früh. Trotzdem sollte sich Sony Sorgen machen, viel mehr Sorgen als Nintendo beim 3DS-Launch.
- Falscher Veröffentlichungs-Ort. Sony ist ein japanisches Unternehmen. Am Erfolgreichsten war die PSP in Japan. Auf dem Papier ergibt der Erst-Launch in Japan schon Sinn, hier war es aber die falsche Entscheidung. Die PS Vita liegt wie Blei in den Regalen der japanischen Händler. Von Verknappung kann nicht die Rede sein. Die USA, als stärkster Videospielmarkt der Welt, oder Europa, als Sony-Land, wären bessere Orte für den ersten Launch gewesen. (Optimal wäre natürlich ein weltweiter Launch zu Weihnachten.) Selbst wenn die Nachfrage überraschend hoch wäre und die verfügbaren Stückzahlen zu gering, eine Verknappung ist immer noch besser, als die scheinbare Gleichgültigkeit der japanischen Kunden.
- Schlechtes Line-up. Im Vergleich zum 3DS ist das Line-up der PS Vita um Welten besser. Trotzdem, ein richtiger Hit ist nicht dabei. Für Japan zumindest. Uncharted: Golden Abyss wird bestimmt das erfolgreichste Launch-Spiel in den USA und in Europa werden, der japanische Markt funktioniert aber nun mal etwas anders. Zudem kommt noch erschwerend dazu, dass die Zeit zwischen Uncharted 3 und Uncharted: Golden Abyss viel zu kurz war, um eine Art Hype dafür aufzubauen. Westliche Spieler würden sicherlich ähnlich reagieren.
- Keine Marken. Das mit Abstand größte Problem der PS Vita ist aber die größte Schwäche des Konsolenherstellers. Sony hat einfach keine mächtige Handheld-Marke. Keine Einzige. Uncharted, Resistance, inFamous, God of War, Gran Turismo – das sind alles gute Marken, aber keine Einzige von ihnen kann Handhelds verkaufen. Das Problem ist nicht neu, Sony hat sich aber nie konsequent darum gekümmert. Schon zu PSP-Zeiten bewies der Hersteller seine falsche Einstellung zum Handheld-Markt. Kleinere Versionen von Konsolen-Spielen reichen für den Handheld-Markt nicht aus, spezielle mobile Marken müssen entwickelt und etabliert werden, damit sie die Plattform verkaufen (LocoRoco ist dies leider nicht gelungen). Nintendo ist schon so lange im Handheld-Geschäft (fast immer auch als Monopolist handelnd), dass sie sich einige dieser Marken aufbauen konnten. Pokémon, Mario Jump´n´Runs, Mario Kart, Mario & Luigi RPGs, seit dem DS erst Professor Layton – all diese Marken verkaufen Nintendos Handhelds. Dass dies nicht nur simples Geschwätz ist, um gereizte Aktionäre zu beschwichtigen, bewies das Weihnachtsgeschäft 2011. Aus diesem Grund war auch die anfängliche Negativstimmung gegen den 3DS völlig haltlos.
Wenn denn Sony keine Handheld-Marke besitzt, wie konnte dann die PSP so ein großer Erfolg werden? Die Antwort ist einfach: Monster Hunter. Monster Hunter ist fernab von den Nintendo-Marken das wichtigste Handheld-Franchise in Japan. Monster Hunter war bis Monster Hunter 3G (2011 in Japan für den 3DS) immer PSP-exklusiv. Die PSP verkauft sich aktuell besser als die PS Vita, weil es für Sonys neuen Handhled kein Monster Hunter gibt. Nun hat sich Nintendo (gerüchteweise soll Iwata höchstpersönlich dafür gesorgt haben) auch Monster Hunter 4, den nächsten „echten“ Teil (kein Spin-Off), für den 3DS gesichert. Für uns im Westen mag diese doppelte MH-Exklusivität etwas trivial erscheinen, bei uns erreichte die Serie nicht mal ansatzweise die Popularität, die sie in Japan genießt (man spricht vom japanischen Call of Duty), aber auch wir spüren die Stärke dieser Serie. Ohne Monster Hunter hätte sich die PSP keine 70 Mio. Mal verkaufen können, Drittentwickler hätten den Support der Plattform viel früher gestoppt (ich rede nicht von Wochen, sondern von Jahren) und keine Spiele mehr entwickelt, die auch den Westen interessieren. Sicherlich wird irgendwann ein Spin-Off für die PS Vita erscheinen (Nintendo müsste Capcom schon aufkaufen, damit dies nicht geschieht), aber die Frage ist: Wann? Sony muss so viele Einheiten wie möglich verkaufen, um schnell eine angemessene installierte Hardwarebasis aufzubauen und den Drittentwicklern Anreize für die Entwicklung von Spielen schaffen. Gelingt dies nicht, gibt es viel zu lange Pausen zwischen den Spiele-Veröffentlichungen, die PS Vita setzt Staub an und verliert an Medien-Präsenz. Die Geschichte des 3DS wiederholt sich.
Fazit
PS3, PS Vita, PS Move und Xperia Play (das erste “PlayStation Certified”-Smartphone). Sony muss viele Plattformen unterstützen, vielleicht zu viele. Das Problem der schwachen Eigenmarken konnte der Konsolenhersteller auch dieses Jahr nicht lösen, allzu viel Zeit sollte er sich damit aber nicht lassen. Unweigerlich in den Mainstream schaffte es Sony mit dem PSN-Ausfall und dem damit verbundenen Datendiebstahl. Auch 2011 war nicht „das Jahr der PS3“, es war aber auch kein schlechtes Jahr. Zum wiederholten Mal bot die PS3 viele exklusive Spiele und ein weit gefächertes Angebot an Genres.
2012
Auch hier wieder: Sony muss auf der E3 2012 keine neue Konsole ankündigen, viele Gerüchte deuten aber daraufhin. PS Move sollte nicht mit in die nächste Generation getragen werden. Das Konzept hat auf der Wii – bis auf Zelda Skyward Sword – nie wie versprochen funktioniert, Sony sollte keine Ressourcen mehr dafür verwenden. Die Entwicklung einer neuen Datenträger-Technologie ist nicht notwendig, die Blu-Ray ist immer noch nicht in jedem Haushalt angekommen. 3D ist wohl nicht der erhoffte neue Impuls für die Industrie, Bemühungen dahingehend scheinen sich für Sony nicht ausgezahlt zu haben. Diese Sparte also am besten aufgeben. Sony wird machen, was Sony am besten kann – jede erdenkliche Technologie in die neue Konsole stecken und mit Verlust verkaufen. Spiele wie God of War oder Uncharted definieren sich durch ihre Grafik, Sony darf diese Marken nicht verlieren.
Auch wenn ich mir das Gegenteil wünsche, die PS Vita wird nach einem guten Launch (besser als in Japan) höchstwahrscheinlich ein Flop. Der Markt hat sich verändert, als Sony die PSP veröffentlichte, galten andere Regeln. Die eigenen Marken sind einfach zu schwach, um etwas gegen Nintendo und Apple anrichten zu können. Noch ist die PS Vita die technisch beste mobile Plattform, wird dies im nächsten Jahr aber immer noch so sein? Wird das iPhone nicht schon wieder einen besseren Prozessor erhalten und Sony auch dieses Kaufargument stehlen? Sony muss für viele “eigene” Spiele sorgen, endlich richtige Handheld-Marken aufbauen und den Preis der Konsole im Laufe des Jahres senken. Wenn es ganz schlecht läuft, verabschiedet sich Sony mit der PS Vita aus dem Handheld-Markt und hinterlässt Nintendo und Apple das Feld (eher unwahrscheinlich, aber möglich).






Hallo,
wieder mal ein schöner Artikel, bin schon auf den Nintendo Rückblick/Ausblick gespannt.
Mich reizt ja die PS Vita schon sehr, aber meine Angst ist, dass dort jetzt viele Ports von der PS3 kommen und ehrlich die will ich zuhause auf dem großen TV spielen. Wie du schon geschrieben hast, so sehe ich es auch, Sony fehlt eine richtige Handheld-Marke, wie Prof. Layton, Pokemon usw., und daran wird letztlich auch die PS Vita scheitern.
Ich bin aber gespannt ob Sony doch noch die Kurve bekommt, zu wünschen wäre es.