Der originale Assassine geht rum. Wir starten unser Gamers Diary zu Hitman: Blood Money mit dem Tutorial und den ersten zwei Attentaten. Wir erinnern uns notgedrungen an antiquierte Menüstrukturen in Videospielen zurück, machen einen entspannten Ausflug in eine Kokain-Fabrik mit der ganzen Familie und hören uns eine mörderisch gute Oper in Pari´an.
Wie seid ihr an die Attentate rangegangen. Genauso wie wir oder habt ihr einen weiteren Weg gefunden, eure Ziele lautlos (oder auch lautstark) auszulöschen? Kommentiert hier, kontaktiert uns auf Twitter (Ntino: @otixero / Sebastian: @Zwebi) oder schreibt einen Artikel auf eurem Blog.
Das nächste Gamers Diary erscheint in ungefähr zwei Wochen und wird die nächsten drei Attentate beinhalten.
Viel Spaß.
Ghost Recon Future Soldier möchte kein 08/15-Shooter sein. Hier geht es nicht darum Rambo zu imitieren, Hals über Kopf in eine Gegnerschar zu laufen und alles abzuschießen, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Hier geht es um Taktik, Strategie und besonnenes Vorgehen im Einsatz – so meine bisherigen Kenntnisse zu dem Titel. Ubisofts aktueller (Werbe-)Griff ins Klo namens Coco (noch nie vorher von der Dame gehört um ehrlich zu sein) versichert mir auch, dass ich recht habe: You´re just shooting up everybody but you´re beeing tactical at the same time! – was auch immer du sagst Coco. Das Problem an der Geschichte: Ich kaufe der Dame kein Wort ab.
Wie nicht alle Spielerinnen sehen so aus und tragen solch enge Klamotten beim Spielen? Ganz sicher?
Immer wenn unser “Star” seine auswendig gelernten Sätze runterspult (wenn sie denn nicht jemand zum Ablesen vor ihrer Nase hält), macht sich in mir ein Gefühlscocktail aus Entsetzen und Fremdscham breit. Wer soll das denn abkaufen? Ich versuche dieses Werbevideo sinnvoll zu verarbeiten, stattdessen höre ich Sätze wie: This is not for wussys, not for p****, you´ve got to come in this game like you´re really fighting – was auch immer du sagst Coco. Das hier ist Werbung. Werbung muss weder ehrlich noch informativ sein oder Sinn ergeben. Werbung muss in erster Linie Aufmerksamkeit auf sich ziehen und dieser Artikel beweist, dass dies zum gewissen Teil geklappt hat. Trotzdem muss ich mich fragen: für wen ist diese Werbung eigentlich gedacht? Mein Bild von Ghost Recon war immer ein eher trockener Shooter, der realistisch sein möchte – so realistisch wie ein Spiel in dem kurzzeitige Unsichtbarkeit möglich ist eben sein kann. Show und aufmerksamheischende Elemente hielt ich eher für Call of Duty angebracht, bei dem man Atombomben zündet und die halbe Welt zerstört (kann mich zwar nicht hundertprozentig daran erinnern, kommt aber bestimmt in einem CoD-Teil vor). Ab und zu fallen interessante Informationen und Features wie die ausufernde Waffen-Erstellung, nur um zwei Sekunden später von Cocos Rückseite (buchstäblich) in den Hintergrund zu rücken. Besonders über das Spiel informiert, fühle ich mich nach dem Ansehen des Videos nicht.
Dass das Video so sexistisch wie Coco blond ist, muss nicht erwähnt werden. Aber wie gesagt, Coco bringt ihren: “Ich bin voll das Gamergirl!”-Text so schlecht rüber, das kann eigentlich niemand wirklich Ernst nehmen. Was auch wiederum nicht bedeuten soll, dass der hier gezeigte Sexismus in Ordnung ist. Sex sells, die goldene Regel der Werbung wird vor dem Medium Videospiele kein Halt machen. Das war immer schon so und wird immer so sein. In Anbetracht dessen hätten die Marketing-Experten den Text ruhig kürzen können, ein enges Outfit und Waffen reichen dahingehend sicherlich aus. Niemand kauft Coco ihre Passion für Videospiele ab, wieso dann überhaupt versuchen Ubisoft? Übrigens ist Coco nur ein Teil einer Marketingkampagne namens “Team Ghost“, das aus dem “NBA All-Star Kevin Love”, der “Future NFL Sensation Justin Blackmon”, unserer liebreizenden Coco und dem noch Unbekannten “a hot young Rapper” besteht. Noch nie von denen oder dem Team Ghost gehört? Ich auch nicht. (Auf der selben Seite findet man überdies noch zum Beispiel einen Artikel zu Mark Zuckerberg’s Most Badass Moments - so viel zum Kontext.)
Bleibt nur noch eine Frage:
… Warum?
Könntest du uns bitte noch mal das tolle Waffen-Feature zeigen Coco? Ich setze mich dann mal hier hinten auf die Couch, um … einen besseren Überblick über das Spiel zu haben, ok?
Heutzutage ist ja nichts angesagter als gegen die großen Publisher, deren geldgierige Manager und AAA-Spiele zu wettern. Sie zerstören systematisch Videospiele und saugen ihnen durch immer größere Budgets, immer mehr „fetzige Effekte“ und immer mehr „Bumm, Krach, Kabumm“ das letzte Quäntchen Kreativität aus den Adern. Der größte Vertreter dieser Krach-Brumm-Mentalität ist natürlich der Publisher des erfolgreichsten Videospielserie der letzten Jahre (Erfolg = Böse) – Activision mit Call of Duty. Ausdrücke wie „Ausschlachtung“, „Sequelmaschine“ und „Kotick ist blöd!“ fallen des Öfteren. Freundlich wie der Publisher nun mal ist, liefert er der Spielergemeinde gleich den nächsten Punkt auf ihrer: „Darum ist Activision böse“-Liste, der in dieser Werbung zu finden ist.
I don´t worry about the guy who wants to hijack one plane. I’m worried about the guy who wants to hijack all the planes.
Panikmache, gezieltes Stimulieren des 9/11-Dramas und Psycho-Tricks, um das Verlangen nach dem Töten virtueller Terroristen zu wecken. (Anonymous!) Ist dieses Video an sich schon fragwürdig, treibt es einer der sprechenden Experten auf die Spitze. Dieser ist nämlich ein verurteilter Kriegsverbrecher. Ich stelle vor: Oliver North.
Nicht-Amerikaner und etwas jüngere Naturen werden den Namen wohl noch nie in ihrem Leben gehört haben. Oliver North, Jahrgang 1943, Kriegsveteran (Vietnam) ehemaliger CIA-Agent und die Schlüsselfigur der Iran-Contra-Affäre, „Iran Gate“ genannt. Kurz zusammengefasst: North lieferte heimlich Waffen an den Iran während des ersten Golfkrieges mit dem Irak und unterstütze mit den Einnahmen die Contras in Nicaragua, damit diese ihre herrschende Regierung stürzen konnten. Wer eine gesungene Zusammenfassung der Geschehnisse bevorzugt, dem sei hiermit geholfen:
Norths Verurteilung bestand aus einer Haftstrafe von 3 Jahren auf Bewährung, $150.000 und 1.200 Stunden gemeinnütziger Arbeit. Ein paar Dollar später Im Endeffekt musste er von alledem nichts leisten, da das Urteil aufgrund von „Verfahrensfehlern“ aufgebhoben wurde. Da hatte der Oliver ja mal mächtig viel Glück. Was treibt Activision nun dazu, gerade North als Werbefigur zu benutzen? „Kriegs-Experten“ gibt es sicherlich genug, im besagten Video spricht neben North noch P.W. Singer – hätte er nicht gereicht? Müsste Norths Vergangenheit ihn nicht eigentlich zum Gegenteil eines guten Testimonials werden lassen?
Ganz und gar nicht. Oliver North ist nämlich nicht nur verurteilter (und nachher freigesprochener) Kriegsverbrecher, er ist zudem Autor mehrerer Bestseller (sein aktuelles Buch namens American Heroes - Call of Duty zum Lesen quasi - erschien 2008), er moderierte mehrere TV-Serien in der Vergangenheit und ist aktuell mit „War Stories with Oliver North“ regelmäßig auf Fox zu sehen, dem stock-konservativen Sender Amerikas. (Mehr zu Fox und Videospielen gibt es hier.) Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, ist der Gute auch noch Board-Member der National Rifle Association, einer Waffen-Lobbyisten-Gruppe mit 4,3 Mio. Mitgliedern (nach eigenen Angaben).
Gehen wir mal (naiver Weise) davon aus, dass Activision vielleicht einen Hauch moralischer Bedenken bei der Einstellung von North als Experte und Werbefigur für den neusten Teil der Call of Duty-Reihe hatte, was könnte zur Überbrückung dieser Bedenken geführt haben? Activisions Priorität Nr. 1 ist es, die Aufmerksamkeit auf Black Ops 2 zu ziehen. Gerade dafür ist Oliver North perfekt. Die Seite der waffenliebenden, konservativen, (kriegs-)patriotischen Amerikaner vertraut ihm und liebt ihn, der Rest verabscheut ihn und seine Werte. Welche Seite stellt wohl den Großteil der CoD-Zielgruppe und wie viele Leute interessieren sich überhaupt für einen ehemals verurteilen Kriegsverbrecher? Eine möglichst medienwirksame Diskussion über einen polarisierenden Charakter wie North würde Activision nur in die Hände spielen. Norths Einstellung könnte zudem vielleicht den Fernsehsender Fox ein wenig ruhig stellen, der sich in der Vergangenheit negativ zum Thema Videospiele und Call of Duty äußerte.
Activision bewirbt Call of Duty mit einem Kriegsverbrecher. Wie man es nun dreht und wendet oder Gründe dafür sucht, es ist und bleibt ein sehr fragwürdiger Umstand. Vielleicht möchte man die Geschichte mit einem lapidaren: „Das ist doch nur ein Videospiel“ abhaken – vollkommen falsche Einstellung bei einem Entertainment-Produkt, das sich 6,5 Millionen Mal in der ersten 24 Stunden nach Release verkaufte.